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Filmische Erfahrung - Neue Wege bei der Berufsfindung von Hauptschülern

In ihrem aktuellen Projekt geht die Medienpädagogin Gisela Witt, in Kooperation mit der Jobvermittlung "Job-Fuchs" und der Ernst Reuter Hauptschule, Ludwighafen, neue Wege - um Hauptschülern in ihrer oft fast aussichtslosen Situation Zugang zu einer Lehrstelle zu vermitteln.

Gemeinsam mit Jugendlichen der Ernst-Reuter-Schule, die in einem Ludwigshafener Brennpunktgebiet liegt, packt die Medienpädagogin Gisela Witt die Kameraausrüstung ein und sucht ehemalige MitschülerInnen bei ihrer jetzigen Lehrstelle auf. Vor Ort werden Aufnahmen des Betriebs und der Auszubildenden bei der Arbeit gemacht sowie Interviews zum Thema Arbeit und Ausbildung geführt, die im Nachhinein zu kleinen Reportagen zusammen geschnitten werden.

Das Meiste, was die SchülerInnen bei diesen Besuchen sehen und hören ist neu für sie. Viele kommen aus Familien mit Migrationshintergrund und Hartz IV-Empfängerfamilien, wodurch ihnen die Arbeitswelt so gut wie unbekannt ist. Da manche Eltern nie einen gelernten Beruf ausgeübt haben, können sie ihren Kindern auch nichts darüber berichten und sie auf die Ausbildungs- und Jobsuche vorbereiten. Die Jugendlichen sind sich dieser Situation meist durchaus bewusst und wissen, dass ihre Chancen überhaupt einen Ausbildungsplatz zu bekommen eher schlecht stehen. Das hat mehrere Gründe: den Lehrstellenmangel, schlechte Schulabschlüsse, mangelnde Deutschkenntnisse und oft auch fehlende soziale Kompetenzen. Diese Situation ruft bei vielen Jugendlichen eine erhöhte Frustration und mangelnde Motivation hervor. Auf die mangelnden Erfolgsaussichten reagieren die SchülerInnen sehr unterschiedlich. Die einen wirken eher resignativ und niedergeschlagen wohingegen andere zur Selbstüberschätzung neigen und mit einer "selbstgewählten" kriminellen Laufbahn kokettieren.

Das Ziel dieses Projekts ist es daher, den Jugendlichen mit Hilfe der Reportersituation einen ersten spielerischen Einblick in das Berufsleben zu ermöglichen. Durch die Drehs und Interviews bei den ehemaligen Mitschülern bekommen die Jugendlichen einen Eindruck von deren Arbeitsgebiet. Die meisten kennen die Azubis noch aus deren Schulzeit, was ihnen den Zugang erleichtert und sie neugierig macht. Sie fragen: "Was verdienst Du denn, wenn Du fertig bist?" "Ist der Chef in Ordnung?" "Wie schaffst Du es, jeden Tag hier anzutreten?" Dadurch entstehen ungezwungene Gespräche vor der Kamera, die den Schülern neue Einblicke gewährleisten. Sie bestimmen, was sie interessiert und was sie wissen wollen, wobei die Interviews unter Anleitung zuvor in der Schule professionell vorbereitet und danach auch gemeinsam ausgewertet werden.

Die Motivation der Jugendlichen, sich mit der künftigen Berufswelt auseinander zusetzten, hat sich durch diese journalistische Herangehensweise deutlich erhöht. Bisher sind drei Filme zu den Berufsgruppen Mechatroniker, Raumausstatter und Friseurin mit einer Länge von je acht Minuten entstanden. Die Reihe soll fortgesetzt werden.